Quiet Quitting und Quiet Hiring: denn die im Dunklen sieht man nicht.
Es beginnt selten mit einem großen Knall. Kein Kündigungsschreiben auf dem Tisch. Keine lautstarke Auseinandersetzung im Büro. Es sind die kleinen, kaum wahrnehmbaren Signale: Ein Kollege, der sich aus Meetings früher verabschiedet. Eine Mitarbeiterin, die ihre Mails zwar liest, aber kaum noch Initiative zeigt. Keine offene Rebellion – aber auch kein echtes Engagement mehr.
Quiet Quitting nennt sich dieses Phänomen. Und es hat nichts mit Kündigung im klassischen Sinne zu tun. Vielmehr ist es das stille Zurückziehen in die formale Jobbeschreibung. Menschen erfüllen ihre Aufgaben – aber mehr auch nicht. Keine unbezahlten Überstunden, keine spontanen Extras, kein Feuer mehr für das große Ganze.
Gleichzeitig erleben wir auf der anderen Seite ein ebenso stilles Gegenstück: Quiet Hiring. Unternehmen, die unbemerkt Aufgaben umverteilen, weil Stellen nicht nachbesetzt werden. Fachkräftemangel, Sparmaßnahmen oder die Hoffnung auf „interne Flexibilität“ führen dazu, dass Mitarbeitende plötzlich mehr tragen – ohne neue Titel, ohne neue Gehälter, oft ohne klares Briefing.
Zwei stille Bewegungen. Zwei gegensätzliche Kräfte. Und doch haben sie etwas gemeinsam: sie bremsen Leistung und Loyalität.
Die Gründe von Quiet Quitting und Quiet Hiring
Quiet Quitting ist oft eine Reaktion auf Enttäuschung. Es ist das Resultat davon, dass Engagement nicht gesehen, Entwicklung nicht gefördert oder Belastung nicht ernst genommen wurde. Psychologisch betrachtet ist es ein Selbstschutzmechanismus. Wer innerlich kündigt, zieht eine Grenze – nicht, weil er faul ist, sondern weil er nicht mehr ausbrennen will.
Quiet Hiring hingegen ist in vielen Fällen eine strategische Überbrückung. Statt neue Köpfe zu suchen, werden vorhandene Talente „neu gedacht“. Klingt effizient – ist es manchmal auch. Aber wenn Aufgaben stillschweigend aufgestockt werden, ohne Klarheit oder Anerkennung, kann es ebenso zur Überlastung führen. Die Folge: Zynismus, Demotivation und ein leiser Rückzug – also Quiet Quitting.
Die im Dunkeln sieht man nicht
Beide Phänomene haben eine Gemeinsamkeit: Sie passieren im Verborgenen. In einer Zeit, in der Transparenz, Feedback und offene Kommunikation als Werte großgeschrieben werden, scheinen grundlegende Erwartungen nicht mehr ausgesprochen zu werden. Mitarbeitende ziehen sich zurück, weil sie nicht gesehen werden. Unternehmen überladen, weil sie hoffen, niemand merkt es. Frei nach Mackie Messer aus Brechts Dreigroschenoper: „Denn die einen sind im Dunkeln. Und die anderen sind im Licht. Und man siehet die im Lichte. Die im Dunkeln sieht man nicht.“
Das Ergebnis ist ein flächendeckender Vertrauensverlust. Statt gemeinsam an Lösungen zu arbeiten, beginnt ein stilles Machtspiel: Wer kann am längsten mehr geben – oder sich besser entziehen?
Doch dieses Spiel hat keine Gewinner. Denn wer zu lange schweigt, verliert erst Motivation, dann Leistung – und irgendwann Menschen.
Stille Zeichen erkennen – bevor sie laut werden
Ob Quiet Quitting oder Quiet Hiring: Oft bleibt unklar, wo die Belastungsgrenzen verlaufen, wo sich Mitarbeitende zurückziehen – oder still überlastet sind. Mitarbeiter:innenbefragungen, insbesondere mit einem konstruktiven Follow up, können helfen, genau diese stillen Signale sichtbar zu machen: Wo wird Engagement zurückgefahren? Wo werden Aufgaben ohne klare Kommunikation verlagert? Wo droht eine stille Kündigung – oder eine offene?
Heißer Tipp: verbinden Sie doch das Mitarbeiter:innen-Feedback gleich mit der gesetzlich vorgeschriebenen Evaluierung psychischer Belastung am Arbeitsplatz bzw. einer Analyse der Mitarbeiter:innenbindung.
Sie können „die im Dunkeln sichtbar machen“ und damit die Bremsklötze von Leistung und Loyalität rechtzeitig erkennen. Schreiben Sie uns!


Pexels Jupen
pexels by Andres Ayrton